Was 1875 in Steyl, einem kleinen Ort in den Niederlanden begann, ist heute weltweites Netzwerk, das 80 Länder umfasst. Rund 6.000 Missionare unterschiedlicher Nationalitäten setzen sich täglich dafür ein, christliche Werte zu bezeugen. Sie tun dies mit Respekt vor anderen Kulturen, Religionen und Überzeugungen – und engagieren sich besonders für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.
Jede große Gemeinschaft braucht einen Ort, an dem die Fäden zusammenlaufen. Im Falle der Steyler Missionare ist es das Generalat in Rom. Hier arbeitet der Generalsuperior. Ihm stehen sein Vize und fünf weitere Mitbrüder zur Seite. Sie werden alle sechs Jahre neu gewählt. Im Februar besuchten Vize-Generalsuperior Pater Xavier Thirukudumbam und Generalrat Bruder Michael Ertl Sankt Augustin. Wir sprachen mit ihnen.
Was darf man sich unter einer Visitation vorstellen und seit wann gibt es diese Praxis?
Alle sechs Jahre werden alle Mitbrüder und alle Niederlassungen unserer Gemeinschaft besucht. Diese Visitationen sollen uns vom Generalat in direkten Kontakt zu den Mitbrüdern vor Ort bringen – um ihre Freuden, aber auch Sorgen kennenzulernen. Dabei möchten wir auch den Menschen begegnen, die mit und für uns in den verschiedensten Einrichtungen arbeiten.
Wie viele Visitationen machen Sie im Jahr?
Die Mitglieder des Generalrats werden für jeweils sechs Jahre gewählt. Die Visitationen machen einen großen Teil einer Amtszeit aus und werden auf die einzelnen Mitglieder aufgeteilt. Jeder Generalrat hat zwei Visitationen pro Jahr. Für die deutsche Ordensprovinz inklusive Steyl nehmen wir uns sechs Wochen Zeit, was die übliche Zeit für eine Visitation ist. Hinzu kommen gelegentlich kürzere Reisen aus verschiedenen Anlässen.
Wie viele Institutionen und Personen werden Sie in Sankt Augustin treffen?
In Sankt Augustin besuchen wir alle sechs auf dem Campus befindlichen Institutionen, und soweit möglich auch deren Angestellte. Vor allem aber besuchen wir unsere Mitbrüder; die noch aktiven aber auch die betagten und bereits pensionierten.
Welche Gedanken, Worte und Botschaften bringen Sie den Menschen, die für die Steyler arbeiten, mit?
Zunächst einmal bedanken wir uns für die Mitarbeit an unserer Mission. Wir betonen, dass wir die Mitarbeiter nicht nur als unseren Angestellten, sondern als unsere Partner sehen. Nur mit ihnen ist es uns möglich unseren Auftrag in Kirche und Gesellschaft zu erfüllen.
Was interessiert Sie besonders an der Arbeit der Steyler Ethik Bank?
Das, was die Bank von anderen Banken unterscheidet.
Welche Eindrücke nehmen Sie nach den Gesprächen mit, gab es Aspekte, die Sie besonders interessant fanden?
Wir waren sehr beeindruckt von der professionellen Präsentation der einzelnen Abteilungen der Bank und wie die ursprüngliche Idee des „Missionssparen“ auf innovative Weise fortgeführt wurde. Heute haben wir eine moderne Bank mit dem Schwerpunkt ethischer Geldanlagen vor uns sowie einem klaren Auftrag: eine Einrichtung, „Wo Geld Gutes schafft.“
Zu den Personen
Pater Xavier Thirukudumbam ist seit 2024 Vize-Generalsuperior der Steyler Missionare. Er wuchs im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu auf und stammt aus einer traditionellen katholischen Familie mit sechs Kindern. 1972 trat er der Ordensgemeinschaft bei. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1987 wurde er als Missionar in Nordindien eingesetzt. Später studierte er Philosophie und war 23 Jahre lang als Philosophieprofessor und Ausbilder für die Gemeinschaft tätig. Sein Spezialgebiet ist die „philosophische Hermeneutik”, die auch Thema seiner Doktorarbeit war, die er in den USA schrieb. Nachdem er zwei Amtszeiten lang die Steyler Ordensprovinz Zentralindien geleitet hatte, wurde er 2018 in den Steyler Generalrat in Rom gewählt und 2024 wiedergewählt.
Bruder Michael Ertl wuchs in Rottach-Egern am Tegernsee auf und ist gelernter Einzelhandelskaufmann. Zu den Steyler Missionaren kam er über das Programm „Missionar auf Zeit“, das er in Argentinien verbrachte. Als Missionar war Bruder Michael in Chile, Belgien, Deutschland und Italien tätig, wobei er sich besonders der geistlichen Begleitung widmete. 2024 wurde er in den Steyler Generalrat gewählt.